Hilfe, meine KI wird faul.
Warum KI bei Postings, Websites und Landingpages immer wieder auf dieselben Ideen kommt und wie ihr das ändert, ohne eure Tonalität zu verlieren.
Am Anfang war ich begeistert. Neue Anregungen, gute Texte, schnelle Unterstützung. Inzwischen erwische ich meine KI immer häufiger dabei, wie sie mir Dinge serviert, die ich so oder fast genauso schon einmal gelesen habe. Bei Social-Media-Postings sind es dieselben Ideen wie vor drei Wochen. Eine neue Landingpage folgt genau der Argumentation der alten.
Und selbst wenn ich ausdrücklich sage: „Nein. Bitte völlig anders“, bekomme ich häufig keinen wirklich neuen Ansatz. Sondern denselben Text in leicht veränderter Verpackung. Kurz gesagt: Wir haben ein Problem. Denn die KI scheint irgendwie bequemer zu werden.
Wenn „anders“ jedes Mal fast genauso klingt.
Über typische KI-Sprache ist inzwischen genug geschrieben worden. Bestimmte KI-Floskeln erkennt vermutlich jeder, der regelmäßig mit KI arbeitet. Darum geht es in diesem Blog nicht. Das Problem liegt woanders. Immer häufiger klingen Formulierungen und Inhalte ähnlicher. Headlines drehen sich nur im Kreis, statt neue, überraschende Ansätze zu liefern. Bei Postings werden laufend nur noch alte Ideen variiert.
Hier ein stark vereinfachtes Beispiel mit KI-Headlines, das das Problem veranschaulicht.
- Weniger Stillstand. Mehr Produktivität.
- Auf die Aufforderung „Bitte völlig anders“ folgt:
- Mehr Produktivität durch weniger Stillstand.
- Und nach „Bitte eine neue Idee, nicht nur anders formulieren“:
- Stillstände reduzieren. Leistung steigern.
Und so geht das immer weiter. Nicht nur bei Headlines, auch bei Content-Texten. Der Zeitvorteil durch die Arbeit mit KI ist dahin. Das meine ich damit, wenn ich sage: Die KI wird „faul“. Sie formuliert neu, ohne wirklich neu zu denken.

Ihr bildet euch das nicht ein: KI kann Inhalte tatsächlich homogenisieren.
Meine Beobachtung aus der täglichen Arbeit mit KI-Systemen ist natürlich zunächst genau das: eine Beobachtung. Als Texter für Technik (und KI-Nerd) habe ich das dann recherchiert. Und siehe da: Es gibt inzwischen auch wissenschaftliche Untersuchungen, die einen Homogenisierungseffekt von KI erkennen.
Kibum Moon, Adam E. Green und Kostadin Kushlev untersuchten in drei Studien insgesamt 2.200 Bewerbungsessays. Dabei verglichen sie Texte von Menschen mit Texten, die KI erzeugt hatte. Das Ergebnis: Mit jedem zusätzlichen menschlichen Text kamen im Durchschnitt mehr neue Ideen hinzu als mit einem weiteren KI-generierten Text. Und noch interessanter dabei ist: Versuche, die Vielfalt der KI-Ergebnisse durch veränderte Prompts oder Modellparameter zu erhöhen, konnten diese Differenz nicht vollständig beseitigen.
Eine weitere Untersuchung geht noch einen Schritt weiter. Alwin de Rooij und Michael Mose Biskjaer haben 2026 die Ergebnisse von 19 bereits vorhandenen Studien zur Zusammenarbeit von Menschen und generativer KI zusammen ausgewertet. Auch hier zeigte sich im Durchschnitt ein Homogenisierungseffekt. Mit KI-Unterstützung entstanden häufiger Ideen, die sich untereinander stärker ähnelten.
Quelle: de Rooij & Biskjaer: „Does generative AI make us think alike?“, 2026
Die Untersuchungen sind auch für das Marketing und die Unternehmenskommunikation interessant. Denn ein Unternehmens-Posting entsteht nicht auf der grünen Wiese. Produkt, Zielgruppe, Botschaften, Corporate Language, Positionierung, Kanal und häufig sogar Länge und gewünschte Wirkung stehen bereits fest. Der Raum, in dem die KI nach Lösungen suchen kann, ist also ohnehin begrenzt.
Nein, eure KI ist nicht faul.
Der Titel dieses Artikels ist also unfair. Eine KI liest nicht euer Briefing und denkt: Das hatten wir schon fünfmal, ich nehme einfach wieder die Lösung von letzter Woche. Sie hat auch keine schlechte Tagesform. Und auch eure Rechenkapazität wurde nicht eingeschränkt.
Generative Sprachmodelle erzeugen Antworten auf Basis gelernter Muster, Wahrscheinlichkeiten und des jeweils verfügbaren Kontextes. Je genauer dieser Kontext die gewünschte Richtung vorgibt, desto wahrscheinlicher werden bestimmte Antworten und Lösungswege. Moderne KI-Systeme können – je nach Produkt und Einstellungen – mit Gesprächsverläufen, gespeicherten Präferenzen, individuellen Anweisungen, Projektwissen, hochgeladenen Dokumenten, Beispielen und früheren Texten arbeiten. Und natürlich gebt ihr selbst bei jeder neuen Aufgabe Kontext mit.
Die KI weiß dann möglicherweise sehr genau, welche Headlines und welchen Content ihr bevorzugt. Dass eure Kommunikation eine Tonalität einhalten soll. Dass bestimmte Begriffe tabu sind. Dass der Nutzen früh erkennbar sein soll. Dass ihr beim letzten Mal einen bestimmten Aufbau gut fandet. Das ist zunächst hervorragend. Schließlich wollen wir keine KI, der wir bei jedem neuen Posting wieder erklären müssen, wie unser Unternehmen kommuniziert. Aber hier beginnt ein interessantes Paradox.

Je besser die KI euch kennt, desto enger kann ihr Lösungsraum werden.
Aus hilfreichen Leitplanken können allmählich eingefahrene Wege werden. Wenn ähnliche Aufgaben mit ähnlichen Vorgaben immer wieder gelöst werden, können bestimmte Perspektiven, Argumentationsfolgen und Textarchitekturen dominant werden. Und weil diese Lösungen in der Vergangenheit offenbar funktioniert haben, gibt es für das System zunächst wenig Anlass, den etablierten Korridor grundsätzlich zu verlassen. Die KI ist also nicht unbedingt schlechter geworden. Möglicherweise ist sie nur zuverlässiger in eine Richtung geworden, aus der ihr sie jetzt wieder herausholen müsst.
Warum „Schreib das völlig anders“ oft nicht funktioniert.
Die naheliegende Reaktion kennen vermutlich viele:
- „Bitte komplett anders.“
- „Viel kreativer.“
- „Denk neu.“
- „Überrasche mich.“
Manchmal funktioniert das. Aber selten. Denn häufig bekommt man lediglich eine Variation der vorhandenen Lösung.
Das Problem ist nicht eure Tonalität. Es sind die Muster darunter.
Was also tun? Eine radikale Lösung wäre: Alle Chats löschen. Keine bisherigen Beispiele. Keine hinterlegte Tonalität. Keine Unternehmensinformationen. Die KI soll bei null anfangen. Damit beseitigt ihr möglicherweise einige Routinen und werft gleichzeitig einen großen Teil dessen weg, was ihr euch bei der Arbeit mit der KI mühsam aufgebaut habt. Das halte ich für den falschen Weg. Denn eine gute Unternehmenstonalität und ein festgefahrenes Textmuster sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Tonalität beantwortet die Frage: Wie klingt unsere Marke?
Textmuster beantwortet die Frage: Wie bauen wir diesen konkreten Text?
Zur Tonalität gehören beispielsweise Fachlichkeit, Sprachhöhe, Terminologie, Haltung, Direktheit, Nähe oder Distanz zur Zielgruppe und der Umgang mit werblichen Aussagen. Ein Textmuster betrifft dagegen Perspektive, Idee, Einstieg, Argumentationslogik, Dramaturgie, Informationsreihenfolge, Satzrhythmus und Schluss. Diese beiden Ebenen müssen wir beim Prompting auseinanderhalten.
Denn ein LinkedIn-Posting, eine Landingpage, ein Whitepaper und eine Case Study brauchen nicht lediglich unterschiedliche Textlängen. Sie folgen unterschiedlichen kommunikativen Logiken. Beispiele dafür findet ihr auf meiner Website.
Nicht die KI resetten. Den Lösungsraum wieder öffnen.
Wenn eine KI immer wieder in dieselben Muster zurückkehrt, braucht sie nicht weniger Wissen über euer Unternehmen. Sie braucht wieder mehr mögliche Wege zum Ziel. Das verändert die Aufgabenstellung.
Statt „Schreib es anders“ lautet die eigentliche Anweisung:
„Behalte, was unsere Kommunikation unverwechselbar macht. Aber verwerfe die bisher verwendete Lösung.“
Das ist wesentlich anspruchsvoller. Denn wir wollen gleichzeitig Kontinuität und Veränderung. Die Marke soll nicht plötzlich anders sprechen. Die Fachsprache soll stimmen. Die Zielgruppe bleibt dieselbe. Die Positionierung bleibt dieselbe. Aber Idee, Perspektive und dramaturgischer Weg sollen neu entstehen.
Dafür reicht ein Adjektiv wie „kreativer“ meist nicht aus. Die KI muss wissen, welche Konstanten sie bewahren und welche Variablen sie bewusst verändern soll.
Lasst die KI erst neue Ideen entwickeln. Und dann lasst sie texten.
Eine der einfachsten Möglichkeiten besteht darin, Ideenfindung und Texterstellung voneinander zu trennen. Viele Prompts verbinden beides:
„Schreibe einen LinkedIn-Post über unsere neue Lösung für …“
Damit verlangen wir gleichzeitig eine Idee, eine Perspektive, eine Argumentation und einen fertigen Text. Die KI muss sich sehr früh auf einen Weg festlegen. Und wenn sie für ähnliche Themen bereits etablierte Lösungswege kennt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie wieder dort landet. Deshalb drehe ich den Prozess lieber um. Noch keinen Text schreiben. Zuerst unterschiedliche Ideen entwickeln.
Hier Beispiel für einen Prompt, der euch aus der Sackgasse herausführt.
„Entwickle sechs konzeptionell deutlich unterschiedliche Ansätze für einen LinkedIn-Post zu diesem Thema. Die Ansätze dürfen sich nicht lediglich in der Formulierung unterscheiden. Jeder Ansatz braucht eine andere Perspektive, einen anderen gedanklichen Einstieg und eine andere Argumentationslogik. Schreibe noch keine fertigen Postings.“
Danach entscheide ich, welcher Ansatz interessant ist. Und erst jetzt lasse ich texten. Das klingt nach einem zusätzlichen Arbeitsschritt. Tatsächlich kann es euch mehrere Korrekturschleifen sparen, in denen ihr ansonsten zum fünften Mal erklärt, dass „anders“ wirklich anders heißen sollte. KI kann uns enorm viel Arbeit abnehmen. Die Entscheidung, wann ein Text wirklich neu, relevant und gut ist, nimmt sie uns nicht ab.
Also: Wird eure KI wirklich faul?
Nein. Aber sie kann sich festfahren. Und je länger ihr mit ihr arbeitet, desto leichter kann etwas entstehen, das zunächst wie ein Vorteil aussieht: Die KI kennt euch. Sie weiß, wie ihr kommuniziert. Sie liefert zuverlässig Texte, die zu euren Vorgaben passen. Problematisch wird es erst, wenn aus dieser Verlässlichkeit Routine entsteht. Dann hilft es nicht, die Individualisierung wieder abzuschaffen. Und meistens hilft auch kein energisches „Schreib es völlig anders“.
Ihr müsst zwei Dinge voneinander trennen:
- Was soll gleich bleiben, weil es eure Marke ausmacht?
- Und was muss sich verändern, damit tatsächlich ein neuer Text entsteht?
Darin liegt für mich gute Arbeit im Umgang mit KI. Nicht jedes Mal bei null anzufangen. Aber auch nicht zu akzeptieren, dass eine einmal gefundene Lösung zur Dauerschleife wird. Eine neue Kommunikation braucht neue Gedanken, andere Perspektiven, andere Gewichtungen und manchmal auch den Mut, einen funktionierenden Lösungsweg bewusst nicht noch einmal zu nehmen. Das ist keine Aufgabe, die wir vollständig an die KI delegieren können.
Eine gute KI kennt eure Sprache. Das heißt aber noch lange nicht, dass auch euer nächster Text schon vorhersehbar sein muss.
FAQ: Was hilft gegen festgefahrene KI-Texte?
Wie bekomme ich wirklich neue Ideen statt fünf Varianten derselben Idee?
Lasst zunächst nur Ideen entwickeln und ausdrücklich noch keinen fertigen Text schreiben.
Prompt:
„Entwickle fünf grundlegend unterschiedliche Kommunikationsideen zu diesem Thema. Jeder Ansatz muss von einer anderen Leserfrage, Perspektive oder Argumentationslogik ausgehen. Reine Variationen derselben Grundidee zählen nicht als unterschiedliche Ansätze. Prüfe deshalb vor der Ausgabe selbst, ob sich die fünf Ideen tatsächlich konzeptionell unterscheiden. Schreibe noch keinen fertigen Text.“
Warum das hilft: Die KI muss zunächst mehrere Lösungswege entwickeln, bevor sie sich auf einen davon festlegt.
Was kann ich tun, wenn meine Postings immer wieder ähnlich aufgebaut sind?
Lasst zunächst die bisherigen Texte analysieren.
Prompt:
„Analysiere die folgenden Postings auf wiederkehrende Muster. Untersuche nicht nur einzelne Wörter und Formulierungen, sondern vor allem Einstieg, Perspektive, Argumentationsfolge, Nutzenargumentation, Satzrhythmus und Schluss. Zeige mir, welche Muster sich auffällig häufig wiederholen. Schreibe noch kein neues Posting.“
Danach:
„Entwickle drei neue Ansätze, die diese Muster ausdrücklich nicht verwenden. Tonalität, fachliches Niveau, Zielgruppenansprache und Markencharakter bleiben unverändert.“
Warum das hilft: Die KI soll nicht eure Unternehmenssprache verändern, sondern genau die Routinen verlassen, die zu immer ähnlicheren Texten geführt haben.
Wie bringe ich die KI dazu, eine Landingpage wirklich neu zu denken?
Gebt ihr den vorhandenen Text als Informationsquelle, aber nicht als strukturelle Vorlage.
Prompt:
„Behandle den vorhandenen Text ausschließlich als Informationsquelle. Übernimm weder Aufbau noch Dramaturgie oder Argumentationslogik. Entwickle aus denselben Fakten drei deutlich unterschiedliche Seitenkonzepte: mit jeweils anderer Leserfrage, anderer Gewichtung der Informationen und einem anderen Weg zur zentralen Botschaft. Unsere bestehende Unternehmenstonalität bleibt verbindlich.“
Warum das hilft: Die Fakten bleiben erhalten. Der bisherige Lösungsweg wird dagegen ausdrücklich zur Variablen.
Was mache ich, wenn „Schreib das völlig anders“ mehrfach nicht funktioniert?
Dann sollte die KI zuerst benennen, wovon sie sich überhaupt lösen soll.
Prompt:
„Erstelle keine weitere Variante des vorhandenen Textes. Analysiere zunächst, welches Grundmuster dieser Text verwendet: Perspektive, Einstieg, Argumentationslogik und Dramaturgie. Entwickle anschließend einen neuen Ansatz, der genau dieses Muster nicht nutzt. Inhaltliche Fakten und Markenstil bleiben erhalten.“
Warum das hilft: Der vorhandene Text dient nicht länger als Vorlage, sondern wird zum Muster, das ausdrücklich verlassen werden soll.
Wie erkenne ich, ob meine KI bereits in Routinen feststeckt?
Vergleicht nicht zwei Texte, sondern eine ganze Reihe.
Prompt:
„Vergleiche die folgenden Texte miteinander und suche nach konzeptionellen Wiederholungen. Welche Perspektiven, Einstiege, Argumentationsmuster, Dramaturgien und Schlüsse verwendest du immer wieder? Unterscheide zwischen erwünschtem Markenstil und unerwünschter struktureller Wiederholung. Fasse das Ergebnis in zwei Kategorien zusammen: Das soll bleiben. Das muss künftig stärker variieren.“
Warum das hilft: Damit trennt ihr genau die beiden Dinge, die bei längerer KI-Nutzung leicht miteinander verwechselt werden: Wiedererkennbarkeit und Wiederholung.